Linus hat geschrieben:
I don't agree.
Wer es ignoriert, daß andere wegen ihrer Hautfarbe angepöbelt werden, daß der Nachbar seit 3 Wochen tot in der Wohnung liegt, daß im nächsten Hausflur eine Frau vergewaltigt oder im Hinterhof ein Kind mißbraucht wird, der ist nicht tolerant sondern ignorant.
Ich gebe zu, daß das jetzt überspitzt formuliert ist, aber in der Grundtendenz sehe ich das so.
Wobei ich zugeben muß, ob meine Nachbarn 3 Wochen im urlaub sind oder tot in der Wohnung liegen würde ich wohl auch nicht direkt merken. Und wenn ich von der Straße Schreie höre, schaue ich auch nicht jedesmal nach, was los ist.
Das ist ein zweischneidiges Schwert.
Einerseits schreit alles nach der sozialen Kontrolle durch das Umfeld, wenn was passiert. Da fragen sich alle, wie das passieren kann, wenn eine Frau 9 Babys gebiert, tötet und in Blumenkästen vergräbt. Oder wenn Eltern ihr Kind verhungern lassen.
Soziale Kontrolle mag hierbei schön und gut sein, wird aber häufig auch als Speißermief abgetan und nicht wenige Menschen fliehen davor in die Anonymität der Städte. Denn auch das hat Vor- und Nachteile. Ich habe kein Bock darauf, daß immer der Vorhang wackelt, wenn ich nach Hause komme und genau registriert wird wann, wie, mit wem etc. Auf dem Dorf lebt es sich als "Randgruppenzugehöriger" nämlich genau deshalb schwieriger, weil es sich schnell herumspricht, wenn Herr XY immer nur Männerbesuch empfängt. "Der wird doch nicht etwa? Allmächt!"
Dafür liegt man auf dem Dorf eben nicht 3 Wochen in seiner Wohnung, bevor man halb verwest gefunden wird....