Klugschnacker hat geschrieben:
Anja hat geschrieben:
Wie lange dürfen denn die muslimischen Männer in Deutschland im Rahmen der sanften Integration ihre Frauen schlagen? Oder wie lange dürfen Minderjährige gegen ihren Willen verheiratet werden? Mädchen beschnitten werden? Wie lange dürfen Frauen verstoßen und notfalls getötet werden, wenn sie sich trennen wollen?
Das finde ich als Vergleich überzogen. Ich sprach von einem Frauenbadebereich eines kleinen Schwimmbades in Freiburg, den es seit zig Jahren gibt. Es geht um den Wunsch nach einer weiblichen Aufsichtsperson. Ich finde das im Sinne einer Integration sinnvoll, Du bist anderer Meinung.
Nun vergleichst Du das mit der unterstellten Duldung von Straftaten. Das ist etwas ganz anderes, und sofern Du in meine Richtung sprichst, auch ein wenig unfair. Ich hatte bereits klar gestellt, dass ich den Frauenbadebereich für eine Möglichkeit halte, um Begegnung und Integration stattfinden zu lassen, wo sie sonst vielleicht unterbleibt. Sicher kann man auch umgekehrt argumentieren; aber mein Standpunkt hat sicher nichts zu tun mit Straftaten gegenüber Frauen.
Ich glaub gar nicht, daß wir so unterschiedlicher Meinung sind. Ich glaub das mit dem "kleinen Bereich in einem großen Bad, in dem Frauer aller Nationen/Kulturen zusammen schwimmen" gar nicht so tragisch, wenn es nicht um das Thema Verhüllen/Ausgrenzen geht. Zusammen halte ich es für einen Weg zur Integration. Das wurde mir abgelehnt - bei uns ging es um muslimische Frauen unter sich. Wo auch einflußreiche streng gläubige muslimische Frauen durch ihr Verhüllen wiederum ihren Einfluß auf andere Frauen ausüben und ihnen deutlich machen, daß sich eine "gute Muslima" doch sicherheitshalber auch im Frauenbad verhüllt oder die Frauen wissen, daß in ihrer Gemeinde dann doch bekannt wird, wenn sie im schicke Bikini zum Schwimme geht, statt im Burkini. Freiheit sobald keine Männer vor Ort sein? Ich glaub nicht daran. Wie gesagt: meinem Ziel ein Fraueschwimmen zwischen Frauen aller Kulturen zu Fördern war nicht gewünscht.
Und das mit den Straftaten ist halt so eine Sache: Die Scharia erlaubt/gebietet das Schlagen wie das Verhüllen. Die Scharia wird über das Grundgesetz gestellt. Die Heirat nach der Scharia steht über unserem Standesamt usw.
Ja, es ist gegen "unser" Grundgesetz. Das gleiche Grundgesetz, daß die Gleichstellung von Mann und Frau vorschreibt.
Wenn man die Gebote der Scharia grundsätzlich als kulturelle Vielfalt betrachtet, die man erlaube muß, gestattet man die Benachteiligung der Frau. Darum paßte für mich das Beispiel mit dem Schweinefleisch nicht - auch wenn mir klar war, was Du ausdrücken wolltest. Und es gibt auch z. B. das Verbot des Schächtens, oder? Religiöses Gebot - widerspricht aber deutschem Gesetz.
Zudem ist das Tragen einer wie auch immer gearteten Kopfbedeckung im Islam auch immer eine politische Botschaft und eine Politik der Unfreiheit und Ungleichheit - Frauen dürfen nicht Auto fahren etc. - kann ich nicht gut heißen. Von Männern für Männer gemachte Lebensstile - frauenfeindlich bis zum Abwinken.
Vielleicht bin ich wirklich zu ungeduldig, vielleicht müssen wir zwei Generationen zuschauen, wie Frauen verboten wird am gesellschaftlichen Leben teilzuehmen... Aber ich will es nicht hinnehmen und bin froh, daß jeder - Mann und Frau - verpflichtet wird in Integrationskurse zu gehen, daß es Kurse mit Kinderbetreuung gibt und damit versucht wird jedem alle Zugänge zu ermöglichen.
Die Männer und Frauen haben so lange und oft auch sehr schwere Wege hinter sich gebracht - um jetzt nur die Hälfte zu bekommen? Wir reden über Frauenquoten in Aufsichtsräten und Vorstandsetagen - ich möchte gerade einfach nur Zugang zu den jungen Migrantenfrauen bekommen. Ich möchte sie zum "Kaffeetrinken" mit meinen "Alt-Migrantinnen" zusammen bringen. Aber in den arabischen Ländern gehen nur die Männer ins Café. Die gute Frau bleibt zu Hause... Wer das Deutsch aus dem Kurs nicht "draußen" üben darf, wird es nicht richtig lernen oder verlernen. Wer die Sprache des Landes nicht spricht bekommt keine (vernünftig bezahlte) Arbeit. Wer keine Arbeit hat, fehlt die soziale Anerkennung und der Zugang zum öffentliche Leben...
Frauen in den westliche Ländern haben sich in den letzten Jahrzehnten soviel an Freiheiten erkämpft. Vor 100 Jahren durfte Frauen in Deutschland noch nicht wählen. Erst vor 60 Jahren wurde das Gleichstellungsgesetz verabschiedet. Männer durften noch die Arbeitsstellen ihrer Frauen kündigen oder der Frau verbieten überhaupt arbeiten zu gehen (und sie durfte nur arbeiten, wenn sie trotzdem den Haushalt und die Kindererziehung geregelt bekam). Sie durften kein eigenes Konto eröffnen usw. Alles Dinge, das zur Benachteiligung der Frauen führte. Frauen kämpften um Bikini und Minirock. Und erst vor einem Jahr wurde das Sexualstrafrecht reformiert und entschieden, daß das "Nein" einer Frau tatsächlich "nein" heißt.
Das russische Strafrecht wird hingegen wieder rückständiger: Vergewaltung oder Gewalt in der Familie ist wieder legitim. Schlimm genug was in anderen Ländern passiert. Aber hier in Deutschland: nein. Darum finde ich es erschreckend, wenn Dinge, die zwar der Scharia entsprechen aber nicht dem deutschen Grundgesetz legitimiert werden - teilweise leider sogar von deutschen Gerichten.