*B P M* hat geschrieben:
Ihr macht den armen Kiwi alle total fertig.
Nee, fertig machen ist anders.
Zitat:
Ich habe keine Ahnung was er machen müßte, aber ich würde mich in der jetzigen Situation nicht zu einem
Sklaven meines Trainingsplanes machen.
Ich glaub, dieser Meinung sind fast Alle...
Die Frage ist doch: wann hat unser Kiwi das letzte Mal RICHTIG Pause gemacht. Und zwar nicht nur vom Sport sondern generell. Wann gab's mal keine Termine, keine festen Planungen, keinen Streß bei der Arbeit, im Haushalt etc.? Und: wie lange war diese Pause?
Übertrainingssymptome müssen ja nicht zwangsläufig nur durch ein Zuviel an Sport ausgelöst werden. Da spielen weit mehr Faktoren rein - ganz besonders fehlende Regeneration.
Mich hat es nur einmal richtig erwischt aber daraus habe ich viel gelernt:
2001 wollte ich nochmal Marathon-PB in Hamburg laufen, dazu kam das Rad im Herbst an die Wand und blieb dort (dass die Badehose im Schrank blieb muss ich sicher nicht extra erwähnen...

), nach der üblichen 4-wöchigen Saisonpause im Herbst kamen also zwei Monate Aufbautraining, hauptsächlich Crossläufe und lang und ruhig. Ab Januar dann klassisches 12wöchiges Marathontraining (Mo, Mi, Fr locker, Di Bahn kurz und schnell, Do TDL, Sa Hügelrunde, So langer Lauf mit EB), Umfänge beginnend bei 80 Km langsam in Richtung 140 gesteigert etc.. Formkurve zu sehen, keine Probleme. Ende Februar war die Form so, dass ich beschloß, Anfang März in Celle 20 Km zu laufen, um zu testen, was drin ist und in welche Richtung ich weiter trainieren muss.
Das Training hinterließ bis dahin kaum Spuren und wenn dann nur die Müdigkeit nach den harten Kanten. In der Woche vor dem Rennen in Celle hatte ich ne Menge um die Ohren und war am Samstag froh, das Wochenende war. Da der Wettkampf Sonntag mittag stattfindet, beschlossen wir, erst Sonntag früh zu fahren. Samstag abend eine Einladung zum Geburtstag und dort ohne Alkohol aber bis 5:00 geblieben. Das Resultat: schon beim Einlaufen bleischwere Beine. Trotzdem das angepeilte Tempo angelaufen, die 4 5-Km-Runden mit lediglich 2-3 Sekunden Unterschied durchgelaufen aber wirklich JEDER Schritt mit der Brechstange. Einen so harten Lauf dieser Länge bin ich nie vorher und seitdem auch nicht mehr gelaufen. Die Zeit war ok, im Rahmen des Erwarteten.
Die Woche danach war dann ruhig machen angesagt, danach weiter im Text. Nur: es wollte nicht so richtig. Irgendwie hatte ich das Gefühl, mir hat jemand eine Drossel eingebaut (deshalb mein Vergleich mit den zugestopften Auspuff). Der Körper sagte zwar nicht "Ich kann nicht mehr, mach Pause.", er sagte aber auch nicht "Hau rein, läuft gut!". Irgendwo dazwischen hing ich.
In Hamburg ging dann gar nix. Ich konnte das angestrebte Tempo grade mal die ersten 10 Km halten, dann musste ich schon rausnehmen, hatte Hunger unterwegs (kannte ich gar nicht) und kam mit einer enttäuschenden Zeit ins Ziel. Auch da rätselte ich noch rum, startete 4 Wochen später in Regensburg einen zweiten Versuch, fast auf die Sekunde die gleiche Zeit und war dann schlauer: Übertraining. Der 20er hatte mir das Genick gebrochen und die dann fehlende richtige Pause tat den Rest.
Was tun? Pause. 4 Wochen - muss reichen. Dachte ich. Ab Juli dann die nächsten 12 Wochen mit Vorbereitung auf Berlin und was soll ich sagen? In Berlin 20 Sekunden langsamer als in Hamburg, immer noch ging nichts. Danach habe ich dann auch die Laufschuhe in die Ecke gepackt und komplett aufgehört. Ab Januar (also nach 3 Monaten fast Null, lediglich mit dem Rad zur Arbeit gefahren) wollte ich wieder anfangen, die Pause wurde dann - bedingt durch eine OP am Knöchel - bis April 2002 verlängert. Und erst dann konnte ich auch wieder richtig loslegen.
Heute bin ich mir sicher: hätte ich im März 2001 2 Wochen richtige Pause eingelegt (max. 20min traben am Tag), wäre das nicht passiert.
und
Heute bin ich mir sicher: wenn das Übertraining zugeschlagen hat, dann hilft nur radikale Ruhe - in allen Bereichen des Lebens. Jeglicher Druck ist dann Gift.
Umpf, so viel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben...
Wie dem auch sei: wenn ich kiwi was raten sollte, dann
1. Pause
2. Streßfaktoren identifizieren und eliminieren
3. Pause
4. realistisches Ziel setzen fürs nächste Jahr
6. Pause
5. strukturiert ans Training rangehen und das auch so durchziehen (nein, nicht sklavisch am Plan kleben aber eben immer der Grundrichtung folgen)