15.04.2012 - Duathlon AnsbachWann ich das letzte Mal so spät im Jahr den ersten Wettkampf gemacht habe, kann ich mich gar nicht erinnern. Und so miserabel erst recht nicht...
Aber der Reihe nach: auch wenn ich derzeit vom regelmäßigem Training weit entfernt bin, dachte ich mir, so ein bis zwei Wettkämpfe könnte auch ohne Form nicht schaden, um die Motivation wieder etwas anzukurbeln. Die Erstlingsveranstaltung in Ansbach klang nett, mit der Meldung wartete ich aber trotzdem bis kurz vor Schließen der Anmeldung.
Bis Donnerstag war ich unsicher ob ich wirklich fahren soll - vor allem das Wetter sah nicht wirklich schön aus und meine Form war auch immer noch nicht besser. Wenngleich ein paar 1000er auf der Bahn gar nicht sooo schlimm ausfielen, wie ich das befürchtet hatte. Also doch gepackt und Freitag mittag losgerollt. Auch da war der Wetterbericht noch vollkommen unentschlossen, was das am Sonntag nun geben wird.
In Franken angekommen noch 20 Km in rund 34 min runtergerollt, nicht ganz locker aber auch nicht wirklich anstrengend. Meine Zeitprognose für Sonntag änderte sich nur marginal weil ich meinte, dass bei Regen vielleicht doch noch ein oder zwei Minuten auf die Radzeit zu rechnen gewesen wären. Schöne Anekdote: ich schwinge mich aufs Rad, fahre los, will nochmal ausklicken - und es geht nicht. Ich kann die Füße drehen wie ich will, nix passiert. Also den nächsten Zaun angesteuert und nachgeschaut. Tja... Man sollte die Pedalplatten wieder richtig festschrauben, wenn man sie mal abgenommen hat...
Samstag noch 13 Km ganz locker getrabt - dabei leider wiede Probleme mit dem rechten Knöchel (beim Anlaufen tuts weh, der Schmerz wandert dann über den ganzen Fuß und wenn der wieder das Fußgelenk erreicht, verschwindet er - ich schiebe es auf Rückenprobleme).
Der Wetterbericht sagte nun (nachdem Samstag das Wetter durchaus freundlich und sehr duathlonkompatibel war): vermutlich kein Regen morgen. Kalt, windig aber trocken. Na denn...
Angesichts der Form hatte ich natürlich auch wieder überlegt, ob denn das Wettkampfrad wirklich angebracht sei aber hey - wozu habe ich das Ding? Also Rocket mit Trispoke und Scheibe, allerdings kein Aerohelm. Nach Studium des Streckenprofils die Übersetzungen gelassen (54/42 und 11-21), denn der Anstieg sah aus wie ein Stück meiner Trainingsstrecke und da komme ich mit 42-19 problemlos und locker hoch.
Sonntag früh - Wetterbericht: jetzt die klare Aussage "Es wird regnen" und die angegebenen Mengen zeigten, dass es im fränkischen Seenland und rund um Ansbach den meisten Regen geben würde. Dazu lauschige 3°C. Na toll...

Trotzdem los und nach ein paar Kilometer hörte es auf, die Straßen trocken. Vielleicht ja doch Glück? Kurz vor Ansbach realisiere ich dann, dass ich meine Lenkerflasche vergessen habe und das angerührte Getränk in einer Flasche mit Schraubverschluß.

Andererseits: bei dem Wetter geht's vielleicht auch ohne.
In Ansbach angekommen fängt es ganz schwach an zu nieseln, noch erträglich. Kurz den Berg gesucht und eine Bundesstraße gefunden, die sanft ansteigt und einem zwar sicher den Saft aus den Beinen saugt aber machbar ist. Beim Einlaufen dann schon gefühlt wie ein nasser Sack, Beine wie Zement, der Bauch als ob ich über Nacht 5 Kg zugenommen habe. Und es fängt an, stärker zu nieseln. Menno...
Ich entscheide mich für Einteile mit kurzen Ärmeln (verdammt schwer, sowas noch zu finden, der hier sah vom Stoff her im Netz aus wie die Einteiler von DW, entpuppte sich dann aber als innen angerauht und relativ dick. Für das heutige Wetter jedoch genau richtig. Darunter ein ärmelloses Funktionshemd und Ärmlinge in die Tasche, um sie vor dem Radfahren anzuziehen.
Nach dem Start kämpfe ich erstmal mit meinem Fußgelenk wie gestern schon, weswegen der erste Kilometer in 4:05 weggeht. Danach wird es besser und ich komme langsam im Fahrt. Bei Puls 170 pegel ich mich ein, was ungefähr 3:48 min/km entspricht (au weia...) und überhole nach und nach. Nach der Hälfte der ersten Laufstrecke bin ich 42ter, auf die Uhr schaue ich aber nicht. Die Laufstrecke ist fast flach, lediglich zwei sanfte Wellen, läuft sich gut. Ich trinke dreimal eine Kleinigkeit, da ja auf dem Rad nix mit Verpflegung ist und ziehe auf dem letzten Kilometer die Ärmlinge an. Gemessen daran, dass mein Mitläufer sehr konstant läuft und mir dabei ca. 15 Sekunden abnimmt kann ich abschätzen, wieviel Zeit dabei verloren geht.
In die Wechselzone biege ich nach 38:40 ein. Nimmt man die 15 Sekunden von oben, stimmte meine Prognose ziemlich gut. Kaputt bin ich nicht. Radschuhe an (anziehen auf dem Rad ist nicht, da der Wechselplatz mit Sand belegt ist und ich nicht den ganzen Dreck im Schuh haben will). Mittlerweile regnet es richtig, die Straßen sind nass, was in Verbindung mit meiner hundsmiserablen Fahrtechnik bedeutet, dass ich mal locker 5-7 min auf meine Prognose rechen kann. Denke ich.
Der Berg kommt nach einem guten Kilometer - nur geht es nicht die Bundesstraße hoch sondern parallel dazu und da werden die gleichen Höhenmeter in zwei Wellen gemacht, die kürzer aber dafür natürlich steiler sind. Heißt: ich lege die 42/21 auf und kämpfe mich im Wiegetritt hoch. Na prima. Das viermal? Ohje... Aber selbst schuld, ich hätte ja umketten können. Anschließend ein paar hundert Meter mit vollem Gegenwind und Regen, dann eine längere und bei Trockenheit sicher schöne Abfahrt, heute jedoch - mit frischem Lehm auf der Straße - für mich absolut nix. Dazu kommen diverse Kurven, die man zumindest mal gesehen haben sollte, bevor man da voll reingeht. Der Rest der Runde ist ebenfalls reichlich mit Kurven gesegnet, dazu relativ schlechter Asphalt und ne Menge Gullideckel. In Summe absolut nix für mich bei den Bedingungen. Folglich werde ich langsamer, der Puls geht runter und ich fange an zu frieren. Und nu?
Ans Aufgeben denkt man ja immer mal aber dem folgt zumindest bei mir dann eine intensive innere Diskussion, an deren Ende die Erkenntnis steht: mach weiter, mach langsamer, komm an, Du ärgerst Dich sonst. Zumindest die letzten 17 Jahre war das so, denn mein letztes abgebrochenes Rennen war der Trans Swiss im Jahre 1995. Danach hatte ich noch zwei DNFs wegen technischer Defekte aber aufgegeben wegen "Kann nicht mehr" oder "Will nicht mehr" habe ich (soweit ich mich erinnern kann) nicht.
Heute ist es anders: der Gedanken "Aufhören" kommt so schnell und so klar, dass ich gar nicht weiter drüber nachdenke. Mir ist klar, dass ich nicht schneller als in diesem Tempo unterwegs sein werde, dass ich jetzt noch eine knapp Stunde richtig frieren werde und die Chance, krank zu werden damit deutlich erhöht ist. Beim Durchfahren der Wechselzone suche ich Anja, die meinen Trainingsanzug und den Autoschlüssel hat aber die ist zum Berg gewandert, also fahre ich noch die Meter bis dahin und höre dann (zugegebenermaßen reichlich frustriert) auf. Bis dahin ein knapper 33er Schnitt, am Ende wäre ich vermutlich so um die 1:15 Std. gefahren. Nein Danke. Selbst der schnellste Radfahrer hat grade mal 37 Km/h im Schnitt.
Fazit: meine Prognose stimmte an sich schon, wenn der Kurs nicht so gewesen wäre wie er war. Bei Trockenheit wäre ich zwar auf dem Rad langsamer gewesen aber ins Ziel gekommen. So aber steht ein DNF und natürlich wieder mal die Frage: wozu das alles?
Ob ich nächste Woche den nächsten Duathlon in Angriff nehme, weiß ich noch nicht. Kommt auch drauf an, was meine HNO-Ärztin mir am Mittwoch erzählt und ob ich dann Antibiotika nehmen muss, dann ist eh erstmal Pause (von der Pause).